Ein Wahlprogramm sagt viel darüber, was ich will. Wenig darüber, wer ich bin. Deshalb hier zehn Fragen, die mir immer wieder gestellt werden – am Infostand, im Treppenhaus, beim Bäcker. Abwechselnd geht es um Politik und um mich. Die Antworten sind meine eigenen, ungeschönt.
Warum kandidiere ich – und warum ausgerechnet für den Stadtrat?
Nicht meckern, besser machen. Das ist in den letzten Jahren zu meiner festen Überzeugung geworden. Es führte zum Umzug von Köln nach Emden, zu Kochkursen, die ich in der Ev. Familien-Bildungsstätte in Emden anbiete, und in diesem Spätsommer dazu, dass ich für den Stadtrat kandidiere. Während es andere in die Landes- oder Bundespolitik zieht, ist für mich das wichtig, was man ganz konkret vor Ort politisch erreichen und mitgestalten kann. Für Emden sehe ich trotz des begrenzten Spielraums Potenzial. Die Stadt muss sich nicht kleiner machen, als sie tatsächlich ist.
Was verbindet mich mit Larrelt, über die Postadresse hinaus?
Für mich ist Larrelt Heimat geworden. Hier wohne ich nicht nur, sondern ich lebe hier. Dazu gehört auch, sich in die Dorfgemeinschaft einzubringen. Im Larrelter Dorfverein bin ich im Team der Backgruppe, und man wird mich daher an dem einen oder anderen Teesonntag an der Larrelter Mühle treffen, wo ich Brötchen backe und beim Verkauf helfe. Beim Weihnachtsmarkt im Cassenspark war ich dagegen nicht zu sehen, sondern in der Küche der Villa mit der Zubereitung von 80 Pizzen beschäftigt. Was mich aber wirklich mit Larrelt verbindet, sind die Menschen, die hier leben. Menschen, die mir allein durch ein „Moin!“ das Gefühl geben, in meinem Umfeld angekommen und aufgehoben zu sein.
Was stört mich an meiner eigenen Partei?
Für jegliche Form der politischen Betätigung gilt der Spruch „if you can't stand the heat, get out of the kitchen“. Mitunter geht es in Parteien, und da ist die SPD keine Ausnahme, auch mal etwas robuster zu. Wer nah am Wasser gebaut ist, ist in einer Häkelgruppe womöglich besser aufgehoben. Aber zur Frage selbst. Was mich wirklich an meiner Partei stört, ist das unglaubliche Talent zur Selbstzerstörung und -demontage. Eigentlich benötigt die SPD keinen politischen Gegner, sie schafft das schon ganz gut alleine. Wenn etwas nicht rund läuft, sucht man schnell einen Sündenbock, und leider fehlt auch manchmal die Solidarität — siehe Kevin Kühnert. Besonders ärgerlich an der Sache ist, dass es in der Öffentlichkeit ausgetragen wird und abschreckend auf die Wählerinnen und Wähler wirkt.
Welchen Ort in Emden zeige ich zuerst jemandem, der die Stadt nicht kennt?
Emden hat meiner Meinung nach viele schöne und auch wichtige Orte. Zumindest mir als Zugezogenem fällt das ins Auge, was andere vielleicht als selbstverständlich hinnehmen. Man kann viel über Emden meckern, aber es gibt gute Gründe, warum ich nicht der Einzige bin, der freiwillig nach Emden gezogen ist. Was aber würde ich jemandem zeigen, der die Stadt nicht kennt? Ganz eindeutig das Ostfriesische Landesmuseum in Emden. Ein Gang durch die Ausstellungen zeigt viel von Emden, von Stadt und Landschaft.
Wann habe ich zuletzt meine politische Meinung geändert – und wodurch?
An eine zuletzt geänderte politische Meinung kann ich mich nicht erinnern, möglicherweise waren die Änderungen zu unbedeutend. Dafür kann ich mich aber nach wie vor an einen Schlüsselmoment erinnern, der bei mir zu einer deutlich anderen Ansicht zum Thema Wehrpflicht und Bundeswehr sowie Bundeswehreinsätze führte. Im März 2010 saß ich bei einer Veranstaltung der Grünen in Bielefeld im Rahmen des „Grünen Salons“ im Publikum. Thema des Abends war Afghanistan. Hinterher schrieb ich, noch beeindruckt von der Diskussion, dazu Folgendes:
Es war interessant zu erleben, wie kontrovers das Thema auch bei den Grünen diskutiert wird. Für mich war es auch ein Augenöffner, den Standpunkt von Bente Scheller, Leiterin des Afghanistan-Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Kabul, und Winfried Nachtwei, MdB a. D., Menschenrechts- und Sicherheitsexperte, kennenzulernen. Beide haben sich in der Vergangenheit stark gemacht für den Verbleib der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Es geht nicht um Kriegsführung, sondern um den Schutz der einheimischen Bevölkerung. Bewaffnete Truppen in einem fremden Land hinterlassen immer einen bitteren Beigeschmack. Aber es ist mehr als nur blauäugig zu glauben, man könnte die Probleme durch Zu- oder besser noch Wegschauen lösen.
Mittlerweile ist das Thema aktueller denn je. Als ehemaliger Zivildienstleistender würde ich gerade mit Blick auf den Krieg in der Ukraine meine damalige Entscheidung, den Dienst an der Waffe zu verweigern, heute wohl nicht mehr so treffen.
Was mache ich beruflich, und was hat das mit Kommunalpolitik zu tun?
Für meine Arbeit als Webdesigner sind Zuhören und Nachfragen wichtig. Nur in der direkten Kommunikation mit dem Kunden entsteht die Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll. Ein Ziel zu definieren und Lösungen zu suchen, wie man es umsetzen kann, ist auch etwas, was ich gerne in die Kommunalpolitik einbringen würde. Wie heißt es so schön: „Probleme sind Lösungen in Arbeitskleidung.“
Mich erfüllt es, wenn am Ende eines Projektes der Kunde nicht nur zufrieden ist, sondern auch anderen davon erzählt.
Welche Entscheidung in Emden würde ich sofort treffen, wenn es nur an mir läge?
Über die aktuelle Sperrung der Neutorstraße sowie über ihre Zukunft als Einbahnstraße wird nach wie vor viel diskutiert. Ginge es nur nach mir – und vermutlich kommt auch hier die Perspektive eines passionierten Fahrradfahrers durch –, würde ich die Straße dauerhaft zu einer begrünten Fußgängerzone umwandeln und für echte Aufenthaltsqualität sorgen. Verzichten würde ich dabei auf die Arkaden, denn aktuell sieht die Neutorstraße wesentlich einladender und luftiger aus.
Zudem würde ich umgehend dafür sorgen, dass die Stadt eine Fläche für die Errichtung einer Tiny-House-Siedlung zur Verfügung stellt, und auf die Stadtwerke einwirken, um ein Mietangebot für Wärmepumpen zu schaffen.
Wie sieht ein guter Sonntag in Emden für mich aus?
Ein guter Sonntag beginnt mit viel Ruhe und meiner Siebträgermaschine. Zumindest einmal in der Woche genieße ich einen von Hand zubereiteten Cappuccino sowie ausgiebiges Lesen der Süddeutschen Zeitung beim Frühstück. Was danach kommt, hängt vom Wetter ab. Bei gutem Wetter findet man mich draußen unterwegs, häufig mit dem Fotoapparat. Bei ostfriesischem Dauerregen findet man mich eher auf dem Sofa mit einem guten Buch oder am Tisch zusammen mit meiner Frau bei einem Brettspiel aus unserer umfangreichen Sammlung. Ausklingen würde ein guter Sonntag dann mit Kochen und einer Serie, einem Film oder einer Dokumentation im Fernsehen, bei einem guten Glas Wein.
Wofür würde ich mich im Rat auch dann einsetzen, wenn es unbequem wird?
Politik besteht im Finden von Kompromissen, aber auch im Treffen unbequemer Entscheidungen. Wobei unbequem häufig bedeutet, dass die getroffene Entscheidung nur einen Teil der Bevölkerung unzufrieden macht, während andere sie begrüßen. Dann gibt es zudem noch manche Entscheidungen, über die kontrovers diskutiert wird, über die aber der Rat in letzter Konsequenz nicht entscheiden kann. Bestes Beispiel dafür ist der Marinehafen. Im Hinblick auf die Schullandschaft würde ich mich für eine kritische Überprüfung der Herrentorschule aussprechen und statt eines zweiten Standorts der IGS eine zweite eigenständige IGS begrüßen.
Während viele Autofahrer gerne kostenlose Parkplätze hätten, bin ich für eine konsequente Parkraumbewirtschaftung.
Was ist meine größte Schwäche?
Ich bin absolut unmusikalisch und kann nicht singen. Bereits in der Grundschule meinte meine Musiklehrerin, es wäre besser, wenn ich mich in die hinterste Reihe stellen und nur mitsummen würde.